15. April 2021

«Die Cloud entwickelt IT-Mitarbeiter von Verwaltern zu Gestaltern»

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Cloud // Die konsequente Verlagerung von grossen Teilen der IT-Services in die Cloud ist integraler Bestandteil der Digitalisierungsstrategie vieler Unternehmen. Die unbestrittenen Vorteile einer Cloud-Strategie erfordern jedoch weitere Transforma­tionsschritte, speziell in den IT-Abteilungen. Eine umfassende Cloud Governance erfordert neue Fähigkeiten von den Mitarbeitenden und der Führung von IT-Organisationen und bietet die Chance, sich völlig neu zu positionieren.

Warum wollen Sie in die Cloud? Doch sicher nicht, weil Sie Ihre kostbaren Unternehmens­daten unbedingt in die Obhut eines fremden Unternehmens, womöglich sogar eines US-amerikanischen Grosskonzerns, legen wollen. Und wahrscheinlich auch nicht, weil Sie sich von den Angeboten aus der Cloud die Prozesse und Arbeitsweisen in Ihrem Unternehmen diktieren lassen wollen. Nein, aber diese Kröten schlucken Sie, weil Sie neuen Anforderungen gegenüberstehen, die mit einem herkömm­lichen On-Premise-Modell nicht mehr zu realisieren sind.
Die Dynamik der Märkte verlangt von Ihrem Unternehmen die schnelle Implementierung von immer neuen, digitalen Geschäftsmodellen. Diese wiederum beruhen auf der Bearbeitung und Auswertung von riesigen Datenmengen und verbrauchen zu Spitzenzeiten massive Rechenpower. Oder sie basieren auf ganz neuen Bibliotheken oder Infrastrukturen, zu denen bei Ihnen weder die Kapazitäten noch das Know-how vorhanden sind. Die Cloud bietet Ihnen hier Lösungen. Sie wird damit zu einer, wenn nicht «der», strategischen Initiative im Rahmen einer Digitalisierungsstrategie.

Cloud Governance
Entsprechend dieser strategischen Bedeutung sind dann auch die Aufgaben, denen sich eine IT-Abteilung bei einer Umstellung auf eine Cloud-basierte Unternehmensarchitektur gegen­über­sieht, nicht nur von operativer Natur. Wie stellt diese sicher, dass das eingesetzte Portfolio von Cloud-Diensten auch wirklich zu jeder Zeit den Anforderungen des Unternehmens entspricht? Wie wählt sie neue Dienste aus, wie passt sie vorhandene an neue Bedürfnisse an, und wie wird sie nicht mehr benötigte Dienste elegant wieder los? Wie überprüft sie, ob die Cloud Services auch wirklich die vereinbarte Performanz und Verfügbarkeit aufweisen? Und, last but not least, wie stellt sie sicher, dass Ihre Daten und Applikationen vor Angriffen geschützt sind? 
All diese Fragen und Aufgabestellungen haben nur noch sehr wenig mit dem klassischen «Betrieb» von Unternehmensapplikationen zu tun. In einem reinen Cloud-Unternehmen werden keine Server mehr aufgesetzt, keine Softwareupdates ausgerollt und die Incidents werden auch nicht mehr selbst behoben. Dementsprechend ändert sich auch das Rollenprofil der Mitarbeitenden. Sie werden vom «Worker» zum «Manager». Und zwar zum Manager der gesamten digitalen Fähigkeiten eines Unternehmens, welche in einem hochdigitalisierten Unternehmen natürlich essenziell sind. Der Wirkungsgrad der «Cloud Governance» umfasst dementsprechend auch das gesamte Spektrum der digitalen Wertschöpfung. 

Verwalten und gestalten
Und wenn hier vom «Manager» die Rede ist, so meint dies sowohl den «Verwalter» als auch den «Gestalter» – eine in der Unternehmens-IT bisher eher weniger gefragte Eigenschaft. Jetzt aber schöpft diese IT aus der geballten Innovationskraft der grossen Cloud-Anbieter und eines riesigen Eco-Systems von Service-Anbietern. So stehen etwa Services zur Verfügung, die die Sammlung und Verknüpfung von riesigen Datenmengen und deren Auswertung ermöglichen – per ausgefeilten Analyseverfahren, per Machine Learning oder per Spracherkennung. Die Nutzung von mächtigen Diensten zur Bild- und Mustererkennung ist heute ein Leichtes, ebenso wie die Anbindung einer Blockchain.
Ständig wächst das Angebot von standardisierten und leicht integrierbaren Business-Services im Cloud-Eco-System. Für die Unternehmens-IT heisst dies, dass sie von der Rolle des «Bremsers» («dafür haben wir nicht genug Leute, das können wir nicht leisten») in die Rolle des Gestalters und sogar des Beschleunigers hereinwächst. Es ist ihre Aufgabe, die neuen Möglichkeiten dem «Business» näher zu bringen und deren Auswirkungen auf das Kerngeschäft des Unternehmens zu antizipieren und zu nutzen. Damit wird die IT zum «Business», sie entwickelt sich vom Erfüllungsgehilfen zum (Mit-)Gestalter des Unternehmens. 

Expertise und Innovationskraft
Der Wertbeitrag einer IT für das Unternehmen fusst damit immer stärker auf einem profunden Verständnis der sich neu entwickelnden Technologien und auf der Kompetenz, die Potentiale als auch die Risiken im Unternehmenseinsatz zu bewerten. Die Arbeitsweisen verschieben sich damit von langfristiger, auf Dauer und Stabilität ausgerichteter spezialisierter Engineering Kompetenz, hin zu kurzen Entscheidungs- und Einsatzzyklen auf Basis eines breiten Technologiespektrums.
Generalisten mit Business-Affinität, ergänzt um einige hochqualifizierte Security- und Infrastrukturexperten, werden den Mitarbeiterstamm einer IT-Abteilung bilden. Statt langlaufender Migra­tions-, Integrations- und Entwicklungsprojekten werden kurze Design-Sprints oder MVP-Zyklen (wie im Format der ti&m garage) den Arbeitsalltag prägen.
Der Dreiklang aus Agilität, Innovation und Technologie wird zum Sound der Unternehmensdigitalisierung. Was uns zum Kern einer Cloud-Adaption im Unternehmen bringt: Die «harte Arbeit», sprich der tägliche Kampf um Stabilität, Sicherheit und Performance, wird von wenigen (den Cloud-Anbietern) für viele (den Unternehmen) geleistet. Das verleiht den Unternehmen die nötige Freiheit, die sie in ihre Innovationskraft und damit ihre Zukunftsfähigkeit investieren müssen. Tun sie dies nicht, wird ihnen auch die Cloud nicht viel nützen. 

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Martin Fabini
Martin Fabini

Martin Fabini ist seit mehr als 20 Jahren in der IT tätig. Bei ti&m führt er Kunden an neue Business Cases mit neuen Technologien heran.

Karsten Burger
Karsten Burger

Seit 2014 ist Karsten Burger Head Innovation Hosting bei ti&m. Seine IT-Karriere widmet er hauptsächlich den Themen Infrastruktur, Betrieb und Cloud.