20. Juni 2019

«Als MVP kann ich Probleme auch in weniger als 30 Minuten lösen»

Christian Waha

Christian Waha ist einer von nur wenigen Most Valuable Professionals (MVP) von Microsoft in der Schweiz. Seit kurzem baut er bei ti&m das Cloud-Geschäft auf. Im Interview spricht er über seinen Werdegang und seine Arbeit als MVP.

Du bist jetzt gut zwei Monate bei ti&m. Wie hast Du Dich eingelebt?

Sehr gut. Ich verstehe jetzt so langsam, wie die Firma funktioniert und wie meine Vorgesetzten ticken. Zudem habe ich viele spannende Projekte hier, die mich voll begeistern.

 

Um Dich etwas kennenzulernen: Wie bist Du in die Informatik gekommen?

Es ist inzwischen schon fast 30 Jahre her. Ich habe mit 12 Jahren das erste Mal einen Computer bekommen. Das erste Mal programmiert habe ich, glaube ich, schon mit 9 Jahren. Angefangen habe ich mit Basic. Danach machte ich dann etwas C++ und Delphi, oder besser Turbo Pascal.

 

Und Deine Entscheidung für ein Informatik-Studium ist dann auf Basis dieses Interesses gefallen?

Mehr oder weniger. Ich habe im Studium auch noch Chemie nebenbei gemacht. Für mich stellte sich die Frage, ob ich nun Chemie oder Informatik studieren sollte. Ich habe mich schliesslich für die Informatik entschieden, da sie mir mehr Spass gemacht hat.

 

Chemie ist aber immer noch eine Passion von Dir?

Es geht. Aktuell habe ich damit begonnen, mich mit dem Quanten-Computing zu beschäftigen. Die Quantenphysik dahinter ist nicht ganz so einfach. Man muss zunächst die ganzen Verschränkungsregeln verstehen, um überhaupt Dinge berechnen zu können und Algorithmen zu entwerfen. Daher arbeiten auch recht viele kluge Köpfe am Quantencomputer.

 

Und die Schweiz ist einer der Hot-Spots dafür.

Ja, die ETH hat ein recht grosses Forschungslabor und auch IBM macht viel, ob nun in der Schweiz oder in München. Im Prinzip arbeiten alle grossen Techfirmen am Quantencomputer, da sie ihn für das nächste «Big Thing» halten.

 

Und glaubst Du, dass er es auch ist?

Das Gleiche wird auch über Artificial Intelligence, Augmented Reality oder andere Technologien gesagt. Die Zeit wird zeigen, was sich wirklich durchsetzen wird. Ich bin bei solchen Aussagen eher zurückhaltend.

«Ich fand Microsoft schon immer eine spannende Firma»

Noch einmal zurück zu Dir. Du hast Dich vor 15-20 Jahren auf Microsoft spezialisiert. Damals hatte Microsoft einen recht schlechten Ruf. Hat es Dich nicht abgeschreckt?

Ich bin noch zu Gates-Zeiten zu Microsoft gekommen. Der Ruf hat mich nie abgeschreckt. Ich habe vor allem gesehen, dass man mit Microsoft gerade im Businessumfeld Geld verdienen kann. Dies war damals mit Open Source noch nicht so möglich. Ich fand Microsoft auch sehr spannend – vor allem die Unternehmenskultur. Es war immer sehr offen und Microsoft hat immer stark in Partner und Interessenten investiert.

 

Du hast also eher die langfristige Perspektive gesehen?

Genau. Es war absehbar, dass Microsoft auch in Zukunft den Markt in gewissen Bereichen dominieren wird.

 

Du bist als MVP in einem sehr elitären Zirkeln. Weltweit gibt es gerade einmal 2’500 Personen mit diesem Status und in der Schweiz rund 25. Wie schafft man das?

Es gibt verschiedene Wege: Zunächst über Contributions, also Einreichungen von Entwicklungen und Verbesserungen, etwa auf Github. Dann gibt es auch Beiträge auf Konferenzen, Blogs oder Bücher und noch ein, zwei andere Dinge. Aus all diesem wird ein Wert errechnet. Ab einer gewissen Punktzahl bekommt man die Auszeichnung als MVP, die übrigens auch regelmässig erneuert werden muss. Leider macht Microsoft den gesamten Prozess nicht transparent. Um MVP zu werden, muss man zudem von jemandem vorgeschlagen werden. Ich habe im letzten Jahr angeregt, dass es für neue MVPs ein Gremium geben sollte, das über die Aufnahme entscheidet, um die Transparenz zu erhöhen. Bisher jedoch ohne direkte Auswirkungen.

 

Was gibt es für Vorteile als MVP?

Für einen MVP gibt Microsoft im Jahr ungefähr 20'000 US-Dollar aus. Dies sind vor allem Lizenzen für nahezu alle Microsoft-Produkte und Guthaben, wie zum Beispiel für Azure.

 

Man hört aus der Branche, dass der Azure-Support direkt von Microsoft in Europa nicht so gut sein soll. Mit Dir als MVP haben wir einen Experten direkt vor Ort. Was ist der Mehrwert für Kunden dabei?

Wenn man einen guten Servicevertrag hat, dann ist der Support schon gut. In der Regel bekommt man schon nach 24 Stunden eine Antwort oder je nach dem wie kritisch der Inhalt ist, auch nach einer halben Stunde.

 

Du wärst als Ansprechpartner aber schon schneller.

Wenn ich den vollen Zugriff für den Support habe, dann bin ich eindeutig schneller. Teilweise innerhalb einer halben Stunde, ohne Aufpreis. Wir haben als MVPs auch Mailing-Gruppen, wo wir die Fragen einstellen können. In der Mailing-Gruppe sind nicht nur die MVPs, sondern auch alle Produktgruppen von Microsoft. Wenn man eine Frage stellt, antwortet entweder ein MVP, oder direkt ein Microsoft-Mitarbeiter.

 

Dann haben wir mit Dir als MVP einen wichtigen Vorteil?

Genau. Bei einigen unserer Kunden wird der Status als MVP sogar höher gewichtet, als die Zertifikate von Microsoft. In der Schweiz gibt es auch nur sehr wenige MVPs für Azure. Von den rund 25 MVPs sind nur eine Handvoll auf Azure spezialisiert. Ich kenne sie auch alle persönlich.

«In diesem Jahr wollen wir noch Gold Partner für Azure werden»

Noch zum Abschluss: Was sind Deine nächsten Ziele bei uns?

Zunächst möchten wir das Deutschlandgeschäft ausbauen. Dann wollen wir auch noch Gold-Partner für Azure werden – das ist unser grosses Ziel. Der Gold-Status ist die höchste Partnerstufe, die wir erreichen können. Den Platinum-Status gibt es auch noch, dieser ist aber eher für strategische Partner von Microsoft selbst. In Zukunft wollen wir auch noch Partner für Mixed Reality werden. Unser Fokus liegt aber zunächst auf der Cloud.

 

Und persönlich kannst Du auch noch als MVP aufsteigen?

Über dem MVP gibt es noch den Regional Director. Dies sind Personen, die einen grossen Business-Impact für Microsoft haben. Ich versuche dies, auch noch im nächsten Jahr zu erreichen. Die Regional Directors haben eine direkte Mailing-Gruppe mit Microsoft CEO Satya Nadella und tauschen sich regelmässig mit ihm aus, etwa in einem Monats-Call. Viel direkter kann man kaum mit einem CEO eines solch grossen Unternehmens sein.

 

Vielen Dank für den Einblick und ich wünsche Dir viel Erfolg bei Deinen Projekten!


Christoph Grau
Christoph Grau

Christoph Grau ist seit September 2018 bei ti&m tätig und verantwortet die Medienarbeit. Davor arbeitete er mehr als vier Jahre als Redaktor und später als stellvertretender Chefredaktor bei einem grossen Schweizer IT-Fachmagazin. Er studierte Chinawissenschaften und Geschichte an der Freien Universität Berlin.