03. February 2021

«Im besten Fall erkennen Informatiker die Algorithmen hinter den Bildern»

Corina Rauer

Corina Rauer ist die Künstlerin für art@work 2021. Im Interview mit uns spricht sie über ihr Projekt, ihren Bezug zur IT und verrät, warum auch Zeitungslesen eine Inspiration ist.

Du hast Kunst auch auf Lehramt studiert. Unterrichtest du noch nebenbei, oder setzt du voll auf die Karte Kunst?
Zumindest gedanklich setze ich voll auf die Kunst (lacht). Aber ich unterrichte noch am Gymnasium in Uetikon am See, weil es rein finanziell von der Kunst nicht reichen würde.

Wie bist du auf ti&m gekommen und was hat dich dazu bewogen, dich bei art@work zu bewerben?
Mein Freund ist Informatiker und so habe ich schon einen kleinen Einblick in die IT-Welt erhalten. Ich finde es immer wieder spannend, für Projekte in neue Themen einzutauchen, mit denen ich vorher noch keine oder wenig Berührungspunkte hatte. An diesem Projekt interessiert mich vor allem die sprachliche Ebene: Algorithmen werden in Programmiersprachen entworfen. Für mich ist das eine Fremdsprache, aber wie jede Sprache ist sie übersetzbar.

Kannst du das Projekt etwas genauer erklären?
Bei meiner Recherche habe ich festgestellt, dass Algorithmen häufig als Handlungsanleitung beschrieben werden, als eine Art Rezept. Folglich kann jeder Algorithmus in eine natürliche Sprache übersetzt werden. Meine Idee ist es, die Sprachübersetzungen der Algorithmen zu verbildlichen. Dazu werde ich Bilder recherchieren und diese dann malerisch zusammenstellen. So entsteht ein bildhafter Eindruck der Algorithmen – im besten Fall können Informatiker die dahinterstehen Algorithmen in den Bildern erkennen. Mich interessiert dabei auch der Prozess des Übersetzens: Denn der Versuch, etwas zu übersetzen, beinhaltet immer eine Art von Unmöglichkeit. Zwischen einem Wort und einem Bild besteht stets eine Differenz.

Für viele Menschen sind die IT-Welt und Begriffe wie Algorithmus abstrakt und sie können sich wenig darunter vorstellen. Kann die Kunst hier eine Dolmetscherrolle einnehmen?
Die Kunst kann eine Beziehung schaffen. Ein Bild ist wohl für die meisten Menschen vertrauter als Programmiersprache. Im Alltag begegnen wir unbewusst oder bewusst Algorithmen, beispielsweise wenn wir Suchmaschinen nutzen. Durch die Bilder kann ich das in den Vordergrund rücken, was meist im Hintergrund abläuft. Kunst muss für mich aber keine Funktion erfüllen, das macht sie frei. Deshalb habe ich auch nicht den Anspruch, dass meine Bilder erklärend wirken müssen, sie dürfen rätselhaft bleiben. 

Wie willst du die Mitarbeitenden von ti&m in dein Kunstprojekt involvieren?
Für meine Arbeit ist es zentral, mit den Entwicklern zusammenzuarbeiten, um herauszufinden, welche Algorithmen genutzt werden. Ich erhoffe mir dabei auch Unterstützung bei der Übersetzung der Algorithmen in natürliche Sprache. Für mich ist das Neuland und ich bin neugierig darauf, wie der Prozess ablaufen wird. 

Mit welchen Themen setzt du dich als Künstlerin sonst auseinander? Und interessierst du dich für diese Themen als Künstlerin oder als Privatperson?
Es gibt im Grunde genommen keinen Unterschied zwischen mir als Künstlerin und mir als Privatperson. Meist beschäftige ich mich mit ganz aktuellen gesellschaftlichen Themen: Schutz, Digitalisierung und Privatsphäre, Wissenschaft und Glaube oder Klimawandel. Ich lese sehr viel Zeitung und Bücher, aber auch das Hören von Podcasts und Gespräche inspirieren mich.

Bilder Corina Rauer

 

Du hast den Klimawandel angesprochen: Ist er das grosse Thema unserer Generation, auch in der Kunst?
Ich glaube schon, dass die Klimakrise das beherrschende Thema unserer Zeit ist. Die Kunst stellt sich solche Fragen nicht gern, weil dieses Thema schwierig abzubilden ist, ohne dass es ins Banale oder Kitschige kippt. Die Kunst kann den Klimawandel auch nicht aufhalten. Ich halte es trotzdem für relevant, diese Themen in der Kunst zu behandeln, da die Kunst ja auch stets ein Spiegel der Zeit ist, in der die Künstlerinnen und Künstler leben.

Kunst um der Kunst willen oder soll die Kunst die Welt verändern? Hast du ein grosses Sendungsbewusstsein? 
Kunst nur als ästhetische Form oder Kunst, die nur sich selbst als Referenz hat, funktioniert für mich nicht. Als Künstlerin setze ich mich mit der Welt auseinander und will mit meinen Arbeiten Fragen aufwerfen und zum Nachdenken anregen. Ich freue mich, wenn ich einen Gedanken anstossen kann und über meine Bilder mit Menschen ins Gespräch komme.


Mathias Liechti
Mathias Liechti

Mathias Liechti ist seit Januar 2021 im Marketing von ti&m tätig. Davor arbeitete er mehrere Jahre bei verschiedenen Print- und Online-Medien, zuletzt als Chefredaktor eines HR-Fachmagazins. Er studierte Kommunikation und Journalismus in Winterthur.

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